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26. Juni 2026 · 9 min

Shopify zu Shopware umziehen: Schritt für Schritt

Shopify zu Shopware umziehen: Schritt für Schritt

Eine Shop-Migration klingt für viele wie ein riskantes Großprojekt — eine Woche Downtime, eine Wundertüte an Überraschungen, hoffentlich gehen die Bestellungen weiter. Bei einer sauber gefahrenen Migration ist nichts davon wahr. Hier der ehrliche Ablauf einer Shopify-zu-Shopware-6-Migration, wie ich sie aufsetze — Phase für Phase, mit dem was wirklich gefährlich ist und dem was Routine ist. Das Verfahren stammt aus meiner ersten ePages-zu-Shopware-Migration (Lars, Familie, knapp 1.000 Produkte) und ist für Shopify-Spezifika nachjustiert — Shopify-API statt ePages-Export, Liquid-zu-Twig statt ePages-Theme-Übernahme.

Vorab: das Staging-Prinzip

Wichtig zum Einstieg, weil es alles erklärt was danach kommt: dein Shopify-Shop wird während der Migration nicht angefasst. Verkauf, Bestellungen, Kundenkontakt — alles läuft auf Shopify weiter, bis der Cutover-Tag da ist. Der neue Shopware-Shop wird parallel auf einer privaten Vorschau-URL aufgebaut (typisch: deinshop.preview.lechweb.de). Erst wenn du sagst "passt", schaltet ein DNS-Switch die Domain auf den neuen Server. Das ist die ganze Magie — kein Daten-Hin-und-Her am Live-Tag.

Phase 1 — Briefing & Sortiment sichten (2–5 Tage)

Bevor irgendwer Daten anfasst: ich brauche einen Lese-Zugang zu deinem Shopify-Admin. Damit gehe ich den Shop durch und notiere:

  • Wie viele Produkte (echte SKUs, nicht Varianten-Mehrfachzählung)
  • Wie viele Varianten pro Produkt typischerweise
  • Welche Apps laufen und wofür
  • Welche Custom-Metafields gepflegt sind und auf welcher Ebene
  • Wie die URL-Struktur deiner wichtigsten Kategorien aussieht (für 301-Redirects)
  • Welche Zahlungsanbieter und Versanddienstleister angebunden sind

Aus dem Briefing kommt ein verbindliches Festpreis-Angebot innerhalb von 48 Stunden — nicht "ab" oder "zwischen", sondern eine Zahl. Wer das nicht liefern kann, hat den Shop nicht ehrlich angeschaut. Bei mir liegt der typische Festpreis für einen Shop mit 50–500 Produkten bei 2.490 € nach dem Standard-Paket.

Phase 2 — Daten-Migration aufsetzen (1 Woche)

Jetzt wird's technisch, du musst aber nichts machen. Was im Hintergrund passiert:

  • Shopware-6-Installation auf einem dedizierten Hetzner-Server für deinen Shop — eigene IP, eigene Datenbank, eigene SSL-Zertifikate. Kein Shared-Setup.
  • Produkt-Pipeline wird gebaut: Shopify-Produkte werden per API gezogen, in das Shopware-Datenmodell übersetzt. Das ist der Punkt, wo ehrliches Custom-Mapping passiert. Felder wie Gewicht, Versand-Klasse, Maße, Steuersatz sind bei Shopify und Shopware unterschiedlich modelliert und müssen explizit zugeordnet werden. Wenn das jemand überspringt, sind Sperrgut-Tarife später kaputt und niemand merkt's bis zur ersten Reklamation.
  • Bilder werden komplett mitgezogen — vollständig, nicht referenziert. Damit dein neuer Shop nicht heimlich Shopifys CDN nutzt und nach einem halben Jahr plötzlich Bilder fehlen.
  • URL-Mapping wird angelegt: jede Shopify-URL wie /products/handlename bekommt ein Mapping auf die neue Shopware-URL. Das wird später als 301-Redirect-Liste in die nginx-Config geladen.

Du bekommst nach Phase 2 deine Vorschau-URL und kannst den Shop schon anschauen. Daten sind da, Theme ist noch generisch.

Phase 3 — Theme & Funktionalität bauen (1–2 Wochen)

Hier liegt die eigentliche Arbeit. Shopify-Themes sind in Liquid geschrieben und lassen sich nicht direkt nach Shopware-Twig übertragen. Das bedeutet: dein Theme wird auf Shopware-Basis neu aufgebaut, mit dem Ziel: optisch sehr nah am alten Shop (damit dein Branding erhalten bleibt) und gleichzeitig die Stellen ausbessern, wo das Shopify-Theme schon nicht ideal war (mobil-Verhalten, Ladezeit, klare CTAs).

In dieser Phase werden auch die kostenlosen lechweb-Plugins eingespielt — Trust-Badges, Reviews mit Foto, Newsletter-Anbindung, Popup-Exit, FAQ-Modul. Das ersetzt typischerweise 4–6 Shopify-Apps, die bisher monatlich Geld gekostet haben.

Was hier wirklich Sorgfalt braucht: Checkout-Flow und Versand-Berechnung. Wenn ein Kunde im Warenkorb plötzlich andere Versandkosten sieht als bei Shopify gewohnt, ist das eine direkte Conversion-Bremse. Deshalb gehe ich am Ende dieser Phase 5–10 reale Test-Kaufabschlüsse mit verschiedenen Zahlungsarten durch (PayPal, Klarna, Kreditkarte, Vorkasse) — bevor irgendjemand "fertig" sagt.

Phase 4 — Daten-Snapshot & Final-Sync (2–3 Tage vor Cutover)

Drei Tage vor dem geplanten Cutover läuft ein finaler Datenabgleich:

  • Bestellungen seit der ersten Migration werden nachgezogen (sofern gewünscht — Stichtag-Schnitt ist auch eine Option).
  • Neue Kunden seit Phase 2 kommen mit ins Shopware-System.
  • Aktualisierte Bestände werden synchronisiert.

Du bekommst eine Vorschau-Liste: 20 zufällige Produkte aus deinem alten Shop vs. neuer Shop, Seite an Seite. Wenn da etwas fehlt oder falsch ist (Preis, Beschreibung, Bild), wird's gefixt bevor Cutover.

Phase 5 — Cutover-Tag (1 Stunde aktive Umstellung)

Der vermeintlich gefürchtete Tag. So läuft er ab:

  1. 06:00 Uhr — Letzter Daten-Sync (Bestellungen der Nacht).
  2. 07:00 Uhr — DNS-Switch: deine Domain zeigt jetzt auf den Shopware-Server. Bei niedrigen TTLs (5 Min) sind die meisten Besucher binnen 15 Minuten auf dem neuen Shop, manche Provider brauchen bis 1h.
  3. 07:15 Uhr — 301-Redirects scharfgeschaltet: jede alte Shopify-URL führt zur richtigen neuen Shopware-URL.
  4. 07:30 Uhr — SSL-Zertifikat-Check für deine Domain auf dem neuen Server.
  5. 08:00 Uhr — Smoke-Test: Produktseite, Kategorie-Seite, Warenkorb, Checkout durchklicken mit echtem Kauf-Abschluss. Wenn dieser eine Test-Kauf funktioniert, ist der Shop offiziell live.
  6. Den alten Shopify-Shop lassen wir 14 Tage stehen — gekündigt, aber technisch erreichbar. Das ist deine Rückfall-Option: wenn am Tag 3 ein katastrophales Problem auftaucht, ist ein DNS-Rück-Switch möglich.

Eine wirklich gute Migration hat am Cutover-Tag keine Überraschungen mehr. Alle Überraschungen sind in Phase 3 und 4 abgefangen.

Phase 6 — 30 Tage Kontrolle (im Festpreis enthalten)

Nach Go-Live bin ich täglich kurz im neuen Shop drauf — Logs anschauen, Bestellungen prüfen, Performance messen. Was in dieser Phase typischerweise noch auftaucht:

  • Eine 301-Mapping-Lücke (alte URL, an die niemand mehr gedacht hat — taucht in Server-Logs auf, wird ergänzt).
  • Ein E-Mail-Template, das in einer ungewohnten Situation komisch aussieht (z. B. bei stornierten Bestellungen).
  • Eine PDF-Rechnung, deren Layout in einem Edge-Case zerschiesst (sehr lange Artikelnamen, sehr viele Positionen).

Das wird in den 30 Tagen ohne Zusatz-Rechnung gefixt. Danach ist der Shop in einem stabilen Steady-State.

Was du als Auftraggeber wirklich machen musst

Die ehrliche Antwort: nicht viel, aber ein paar Dinge müssen pünktlich kommen, sonst stockt's.

  • Shopify-Lese-Zugang in Phase 1 (Mit-Owner-Rolle oder Staff-Account mit Read-Berechtigung)
  • Domain-Zugriff spätestens 1 Woche vor Cutover (für DNS-Switch)
  • Logo + Markenfarben in Phase 3, falls dein Theme angepasst werden soll
  • Rechtstexte — Impressum, Widerruf, AGB, Datenschutz. Wenn du eRecht24 nutzt, ist das ein Zugang. Wenn du eigene Texte hast, ein PDF reicht.
  • Entscheidung Bestellungs-Migration — vollständig oder Stichtag — in Phase 1 (das hängt an deinem Steuerberater, frag den)
  • Cutover-Tag-Verfügbarkeit — du solltest am Cutover-Vormittag erreichbar sein für Rückfragen

Wann eine Migration nicht sinnvoll ist

Selbstkritik-Block, weil's dazugehört. Drei Fälle, in denen ich offen sage: nicht migrieren.

Wenn du sehr international verkaufst. Multi-Currency, Geo-Pricing, lokale Steuersätze in 20 Ländern — das ist Shopify-Stärke. Auf Shopware geht's, aber mit zusätzlichem Aufwand. Wenn das dein Hauptmodell ist, bleibt Shopify wirtschaftlicher.

Wenn dein Shop ein Side-Project mit kleinen Umsätzen ist und bleiben soll. Bei 5.000 € Jahresumsatz rechnet sich eine 2.490-€-Migration nicht in absehbarer Zeit. Da ist die ehrliche Empfehlung: Shopify Basic, ein paar Apps gnadenlos rauswerfen, weiter laufen lassen.

Wenn dein Shop in 12–18 Monaten ohnehin verkauft oder eingestellt wird. Dann kein Migrations-Aufwand mehr — der Käufer geht ohnehin auf seine eigene Plattform.

Wie weit es bei dir realistisch ist

Wer wissen will, wie lange seine eigene Migration realistisch dauern würde und was sie konkret kostet, kann das Briefing-Tool ausfüllen — 5 Minuten, kein Verkaufsgespräch. Du bekommst innerhalb von 48 Stunden ein Festpreis-Angebot, das genau diesen Ablauf abdeckt. Wenn du erst grundsätzlich verstehen willst, ob ein Wechsel sich rechnet, lies vorher den Kosten-Vergleich Shopify vs. Komfort-Paket.

Häufige Fragen zur Shopify-zu-Shopware-Migration

Wie lange dauert eine Shopify-zu-Shopware-Migration realistisch?

Vom Angebot bis Cutover sind es bei einem Standard-Sortiment (50–500 Produkte) typischerweise 3–5 Wochen. Davon entfällt rund eine Woche auf Phase 2 (Daten-Pipeline) und 1–2 Wochen auf Phase 3 (Theme-Aufbau). Der Cutover-Tag selbst ist eine knappe Stunde aktive Umstellung. Wer eine harte Frist hat (Messe, Saison-Start), sollte den Auftrag mindestens 6 Wochen vorher anstoßen — dann ist Puffer für Überraschungen drin.

Bleibt mein Shopify-Shop während der Migration verkaufsfähig?

Ja, vollständig. Der neue Shopware-Shop wird parallel auf einer privaten Vorschau-URL aufgebaut, dein Shopify-Shop wird während der gesamten Migration nicht angefasst. Du verkaufst weiter, sammelst Bestellungen, hast normalen Kundenkontakt. Erst beim Cutover-Tag schaltet ein DNS-Switch die Domain auf den neuen Server — und auch dann bleibt der Shopify-Shop noch 14 Tage als Rückfall-Option erreichbar.

Was passiert mit meinen SEO-Rankings nach dem Wechsel?

Mit sauberen 301-Redirects von allen alten Shopify-URLs (typisch /products/handle und /collections/name) auf die neuen Shopware-URLs bleibt der SEO-Wert erhalten. Der typische Drop in den ersten 2–4 Wochen liegt bei 10–20 % und ist nach 6–12 Wochen wieder aufgeholt. Ohne saubere Redirects: kompletter Neuaufbau der Rankings — das ist der teuerste Fehler bei Migrationen, deshalb steht das bei mir im Standard-Leistungsumfang.

Kann ich meine Shopify-Apps 1:1 übernehmen?

Nein, Shopify-Apps sind technisch an Shopify gebunden. Aber: die häufigsten Funktionen (Reviews, Newsletter, Cookie-Banner, Trust-Badges, Popup-Exit, Versand-Etiketten, FAQ-Modul) sind im lechweb-Plugin-Stack bereits enthalten — kostenlos im Komfort-Paket. Spezialisierte Apps (z. B. komplexe Bundles, Abo-Modelle, Konfiguratoren) brauchen einen 1:1-Replacement-Check vor der Migration — das wird in Phase 1 im Briefing geklärt.